Allgemein, Klima, Realtalk

Der Countdown läuft: Noch 40 Jahre

Zur Abwechslung bin heute ich wütend – und ich bin so geladen, dass ich eben meinen Laptop angeschrien habe, weil WordPress sich geweigert hat, die Maske für einen neuen Post zu öffnen. Wer mich kennt, weiß, dass ich sehr selten laut werde oder fluche – das nur kurz als Hilfe zur Einordnung, wie wütend ich bin.

Ich bin aus mehreren Gründen kurz vorm Explodieren, aber diesen einen großen Hauptgrund möchte ich hier ausführen.

Ich habe eben einen T-Online Artikel gelesen, normalerweise vermeide ich das ganz gut, und lese (shame on me – ich weiß, dass man breiter gefächert lesen sollte) hauptsächlich das, was mir die Apps der SZ, SPON, Zeit, etc. auf mein Smartphone pushen. Diesen Essay bekam ich in meine Twitter-TL gespült und ja, ich gebe es zu – ich bin ein manipulierbarer Leser – schon die Überschrift machte mich hellwach: „Verdammt die Welt geht wirklich unter“ und darunter „Wälder überall in Deutschland – so die Prognosen – brennen 2060 Sommer für Sommer“. (Den Essay von Raphael Thelen verlinke ich euch hier!) Ich weiß, dass ich vor ein paar Jahren einen Artikel gelesen habe, in dem es hieß, dass die Wahrscheinlichkeit groß sei, dass 2090 die Erde brennen könnte. Diese Prognose entstand 2015 im Zusammenhang mit den Daten von Mistral, einem neuen Superrechner im Klimarechenzentrum in Hamburg. (Diesen Artikel verlinke ich euch hier, er ist immer noch spannend, weil er u.a. auch den Zusammenhang von Klima und Kriegen verdeutlicht.) Nur vier Jahre später ist diese Prognose für 2090 die reinste Utopie. Ab 2060 könnten jedes Jahr im Sommer Wälder in Deutschland brennen. Jedes f****** Jahr.

Bei dem Gedanken bekomme ich Panik. Vor meinem inneren Auge, sehe ich die Hälfte der Erde brennen, dicke, schwere Rauchwolken die Kontinente überspannen und spüre, wie die Luft in den Lungen brennt. 2060. Das ist in 40 Jahren. Ich werde das erleben. Sollte ich Kinder bekommen – was ich bei diesen Aussichten echt nicht mit meinem Gewissen vereinbaren kann – haben sie dann rein biologisch und rechnerisch noch ihr halbes Leben vor sich. Aber was für ein Leben soll das sein? Was muten wir denn jetzt schon den Menschen und Tieren in südlicheren (bzw. äquatornäheren) Ländern zu? Wir zerstören nicht nur die Zukunft unserer Kinder, sondern auch die Gegenwart unserer Mitmenschen und das macht mich immer wieder fassungslos und rasend – und vor allem fühle ich mich machtlos.

Ich bin Mitglied einer Partei, gehe auf Demonstrationen, ich wähle, ich esse vegan (zugegeben nur zu 99%, sehr selten gewinnt noch der Käse), ich besitze kein Auto, ich kaufe immer mehr Second Hand, achte darauf Gegenstände zu reparieren, vermeide Plastik, ernähre mich so gut es geht saisonal und regional, ich habe zu einer Bank gewechselt, die mit meinem Geld den Umweltschutz unterstützt, ich füttere die Vögel, Eichhörnchen und Igel, habe Tränken für Vögel und Insekten, habe Insektenhotels, Blumenwiesen, sammle beim Spazierengehen Müll ein. Ich schränke mich oft ein und mache Dinge nicht, obwohl ich sie gerne tun würde (in den Urlaub fliegen zum Beispiel), und trotzdem habe ich ununterbrochen das Gefühl, dass es nicht genug ist.

Adults keep saying we owe it to the young people to give them hope. But I don’t want your hope, I don’t want you to be hopeful. I want you to panic, I want you to feel the fear I feel every day. And then I want you to act, I want you to act as if you would in a crisis. I want you to act as if the house was on fire, because it is.

Greta Thunberg am 25.1.2019 auf der wef in Davos (link hier)

Vor allem ist es nicht genug, weil es auf Dauer nicht reicht, wenn einzelne Privatpersonen umdenken. Ich möchte hier dringend und aus vollstem Herzen an unsere Politiker*innen appellieren. Es geht nicht, dass mühselig diskutiert wird, was man ändern möchte. Es reicht nicht, wenn im Herbst vorgestellt werden soll, wie man das Klimaabkommen einhalten möchte. Es ist zu wenig. Zu langsam. Nicht effektiv. Ihr müsst größer denken. Ihr müsst schneller handeln und vor allem, dürft ihr keine Angst davor haben, dass es für eure Wähler unbequem werden könnte. Heilige Scheiße – ja, es wird noch tausendmal unbequemer, wenn nichts passiert. Stoppt die Überfischung der Weltmeere – ermöglicht es den Ozeanen sich zu regenerieren, forstet auf, gebt der Natur eine Chance, arbeitet zusammen und denkt euch neue Möglichkeiten für Landwirtschaft und Handel aus, geht gegen Kreuzfahrtschiffe und Containerschiffe vor, überdenkt den ganzen Verkehr, sowohl in der Luft als auch auf der Erde, setzt euch mit Wissenschaftlern auseinander, lasst euch klug beraten und gebt Pseudowissenschfaftlern, Verschwörungstheoretiker und verbitterten, von Hass getriebenen, weltfremden Menschen keine Stimme mehr, lasst nicht zu, dass sich die Gesellschaft weiter spaltet, sorgt für Einheit und lebt diese vor, zieht an einem Strang und das länderübergreifend: Sorgt dafür, dass es den lebenswichtigen Zugang zu sauberem Trinkwasser auf der ganzen Welt gibt.

Es ist kein Klimawandel, über den man in Talkshows diskutieren kann. Es ist kein Wandel, denn ein Wandel impliziert, dass es danach etwas neues geben wird, und somit ist das Wort alleine schon zu harmlos. Es brennt. Wir haben eine Klimakatastrophe und es ist an der Zeit die Reißleine zu ziehen.

We are facing a disaster of unspoken sufferings for enormous amounts of people and now is not the time for speaking politely, we’re focusing on what we can or cannot say. Now it’s the time to speak clearly. Solving the client crisis is the greatest and most complex challenge that Homo sapiens has have ever faced.

Greta Thunberg am 25.1.2019 auf der wef in Davos (link hier)

2 Gedanken zu „Der Countdown läuft: Noch 40 Jahre“

  1. Hat dies auf Let´s talk about… rebloggt und kommentierte:
    Da man von mir hier gerade etwas reduziert hört, teile ich heute mal einen Beitrag, der mir aus der Seele spricht und uns alle etwas angeht! Möge er nicht nur von allen beachtet, sondern auch gelebt werden! Denn das geht uns alle an!!!

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  2. Stimmt Klimakrise oder Klimakatastrophe fasst es besser zusammen, wobei 2060 optimistisch ist. Bereits 2018 und 2019 brennen Wälder und das wird auch nicht besser.

    In NRW will RWE derzeit wertvolles Grundwasser aus der Erde pumpen, um weiterhin Braunkohle abzubaggern, aber da kann man Wut produktiv einsetzen und noch bis zum 6.8. eine Einwendung einzureichen.

    Ich denke man muss schauen, wo man am meisten bewirken kann, mit dem geringsten Aufwand. Auch hilft es mehr Menschen auf die sogenannte Veredelung aufmerksam zu machen. So haben viele Baumärkte Braunkohlebriketts im Sortiment und der Zucker von u.a. Pfeifer & Lange (Diamant Zucker) wird mit Braunkohle hergestellt. Allerdings muss man dies erst einmal wissen um Druck manchen zu können.

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